Venezuela zieht kritischen Medien den Stecker
Menschenrechtler sehen "dramatische Gefährdung" der Pressefreiheit
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| Dem TV-Sender Globovision soll die Sendelizenz entzogen werden (Foto: globovision.com) |
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Caracas
(pte/09.09.2009/13:50) -
Die Situation für die Medien im lateinamerikanischen Land Venezuela spitzt sich weiter zu. Nachdem die linksgerichtete Regierung unter Staatspräsident Hugo Chávez im vergangenen Monat bereits 32 Radiostationen und zwei TV-Anstalten die Sendelizenzen entzogen hatte und letzte Woche mit der Ankündigung aufhorchen ließ, neuerlich 29 Radioanbieter aus dem Äther verbannen zu wollen, ist nun der TV-Kanal Globovision http://www.globovision.com an der Reihe. Der 24-Stunden-Nachrichtenkanal ist der letzte regulär empfangbare größere Sender in Venezuela, der noch eine verstärkt regierungskritische Haltung in der Öffentlichkeit einnimmt. Falls nun auch diese letzte Bastion der Chávez-Gegner auf Befehl der Regierung fällt, steht der politischen Opposition im Land kein Fernsehmedium mehr zur Verfügung, um die eigene Position öffentlich vertreten zu können. Die Presse- und Meinungsfreiheit wäre damit endgültig ausgehebelt, so die Warnung von Regierungskritikern und internationalen Menschenrechtsorganisationen.
"Die aktuell bekannt gewordenen Pläne deuten einmal mehr darauf hin, dass die Pressefreiheit in Venezuela dramatisch gefährdet ist. Die Regierung verfolgt eine klare Strategie, die auf eine Kontrolle des Informationsflusses und die Unterdrückung von öffentlicher Kritik abzielt", stellt Carlos Lauria vom New Yorker Committee to Protect Journalists (CPJ) http://www.cpj.org, gegenüber dem Guardian klar. Auf diese Weise werde versucht, eine vom Staat zentral steuerbare Kommunikationshegemonie im Land zu etablieren. "Die Manipulation durch Propagandainhalte in den Medien ist eine Gefahr, der die venezolanische Bevölkerung bereits seit geraumer Zeit ausgesetzt ist. Die aktuelle Ausschaltung der regierungskritischen Radio- und TV-Sender zeigt deutlich, dass es im Moment kein ausreichend mächtiges Gegengewicht zu Präsident Chávez gibt. Dieser kann die Medien regulieren wie es ihm passt, um Kritik erst gar nicht öffentlich aufkommen zu lassen", erklärt eine Exil-Venezolanerin, die in diesem Beitrag anonym bleiben will, im Gespräch mit pressetext.
Dass nach dem Medienkahlschlag im vergangenen Monat nun auch Globovision ins Visier der Chávez-Regierung gerückt ist, sei dabei keine große Überraschung. "Dieser Fernsehsender ist bekannt dafür, stets die Gegenposition zu den Informationen zu vertreten, die der Bevölkerung in den staatlich kontrollierten Medien vorgesetzt werden. Wird auch ihm die Sendelizenz entzogen, ist die Gegenöffentlichkeit in Venezuela endgültig zerschlagen", betont die mittlerweile in Wien lebende Venezolanerin. Eine Möglichkeit zur Gegendarstellung zu den ansonsten überwiegend sehr einseitigen Medienberichten gäbe es dann nicht mehr. "In Anbetracht des Umstands, dass ein Großteil der Bevölkerung Venezuelas lediglich über eine relativ geringe Bildung verfügt, ist die Einschränkung der Pressefreiheit besonders problematisch. Präsident Chávez, der sich sehr geschickt medial in Szene setzt, kann seine Botschaften und politische Position so noch effektiver unters Volk bringen", ist die gebürtige Venezolanerin, die das Geschehen in ihrem Heimatland sehr genau verfolgt, überzeugt. Bereits im Schulunterricht werde versucht, mit speziellen Bildungsinhalten die Bevölkerung so früh wie möglich auf Linie zu trimmen.
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